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Regener, Sven: Wiener Straße
Kategorie: > Schöne Literatur
EAN: 9783869711362
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Beschreibung


Ein großer Roman voll schräger Vogel in einer schrägen Welt. Derbe, lustig und bizarr wie seine Protagonisten. Wiener Straße beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird, um Erwin Kächeles Familienplanung nicht länger im Weg zu stehen. Österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstausstellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen.Außer einen! Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre - das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder reibt sich an jedem. Jeder kann ein Held sein. Alles kann das nächste große Ding werden. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen, die es auch gerne mal gemütlich haben, ein deutsches Kakanien in Feindesland. Wer könnte böser und zugleich lustiger und liebevoller darüber schreiben als Herr-Lehmann-Erfinder Sven Regener?


Buchtipp


Herr Lehmann („Herr Lehmann“, 2001) hat mich nicht mehr losgelassen, seit er damals in einer zu Ende gehenden Berliner Frühsommernacht des Jahres 1989 auf dem Heimweg von der Arbeit an diesem aggressiven Hund nur mit einem Alkoholtrick vorbeigekommen ist.
In „Wiener Straße“ ist Frank Lehmann im Jahr 1980 noch ziemlich frisch in Berlin, direkt nach seiner Entlassung aus der Bundeswehr („Neue Vahr Süd“, 2004) von Bremen her angekommen, um seinen großen Bruder zur suchen und zu finden („Der kleine Bruder“, 2008).
Frank bleibt in Berlin und übernimmt das WG-Zimmer seines Bruders, solange der es nicht braucht. Das ist eine ziemlich coole WG (obwohl man damals noch nicht „cool“ gesagt hat und jetzt sagt mans schon lange Zeit nicht mehr, weswegen ich dieses Wort auch nicht benutzen dürfte (oder heißt es: benützen dürfte)) in einer recht großen Fabriketage (10 Jahre später wird so eine Wohnung
„Loft“ heißen), wobei die einzelnen WG-Zimmer aus jeweils 4 Rigipswänden bestehen, mit Tür natürlich und nach oben offen. Von der Decke der Fabriketage aus betrachtet, sieht die WG
aus wie lauter Hamsterkäfige nur mit Menschen drin. Jetzt ist aber Erwin Kächeles Freundin Helga schwanger und Erwin, der Vermieter und Multi-Kneipen-Wirt mit schwäbischen Wurzeln, braucht mehr Platz für seine zukünftige Familie, deswegen muss die WG umziehen und ich find es soooo jammerschade, dass ich dieses neueste Buch von Sven Regener schon ausgelesen habe und jetzt wieder Jahre warten muss, bis wieder ein neuer Teil dieser göttlichen Kommödie erscheint. Es geht zeimlich viel um Kunst und Künstler; österreichische Aktionskünstler mit Otto Mühl als Vorbild oder Karl Schmidt mit seiner Serie verschlossener Holzkisten, keiner weiß was drin ist, bis er sie kauft und öffnet? Aber dann ist die Kunst kaputt und damit hat er die Idee „Schrödingers Katze“ perfekt abgebildet. Die Leute wollen einfach Spaß haben und der Kapitalismus hat noch nicht seinen alles niederwalzenden und endgültigen Siegeszug angetreten.
Z. B.: Erwin Kächele sucht händeringend nach jemandem, der seine Kneipe putzt und alle sagen: „Was? Als Putze? Nee du, lass ma´! Hast du n Job hinter der Theke?“ Nur Frank Lehmann sagt „Ja, ich mach es!“ und verdient damit täglich 25.-Mark, für sein WG Zimmer zahlt er 150.-Mark, bleiben ihm noch 4-mal mehr als ihn das Wohnen kostet und damit kann er sich einen recht passablen Lebensstil leisten im dreifach-besetzten Westteil der einzigen Großstadt der BRD außerhalb der BRD.
Aaaaaber die Klos im „Einfall“ sehen auch wirklich übelst aus.......

Nein! Ich habe nicht zuviel erzählt. Gemessen an der Gesamtmenge von Sven Regeners überbordender Fantasie, die aus jeder einzelnen Seite ein Lesefest macht, hab ich noch nicht mal die Oberfläche angekratzt. Jedes einzelne Gespräch, jede Diskussion, jede Unterhaltung faltet sich auf zu einem kompletten Universum. Sven Regener sagt: „Dialoge sind wie Kung-Fu-Kämpfe“.

[Bernd Lohrer im November 2017]


Bernd Lohrer

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